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Gespräch mit Bernatzky

(aus "Lemmings Himmelfahrt")

 

Der Regen hat nachgelassen. In den Gassen der Innenstadt werden die Schirme zusammengefaltet wie schläfrige Blütenkelche. Drüben, im Westen, reißt die Wolkendecke auf und gibt ein Stückchen blauen Himmel frei. Die Luft, gereinigt und klar, riecht nach Aufbruch, nach Neubeginn.

„Hätten Sie ein paar Schillinge zum Telefonieren?“

Verlegen lächelnd tritt der Lemming einem jungen Mann mit Anzug und Krawatte entgegen und hält die Hand auf. Erfolglos. Der andere weicht zurück, greift sich mit dem Ausdruck höchster Konzentration ans Kinn und biegt dann, ohne den Lemming eines weiteren Blickes zu würdigen, nach links ab. Seine plötzliche Eile und sein selbstironisches Kopfschütteln deuten darauf hin, dass er etwas Wichtiges vergessen hat.

„Hätten Sie bitte ein paar Schillinge ...“

So schnell kann es gehen. Dass er sich im Geiste ein wandelndes Nichts geheißen hat, erscheint dem Lemming nun wie übertriebene Eitelkeit. Nein, er ist weniger als Nichts, er ist eine grellrote Zahl, ein dickes Minus, ein ekliges Manko.

„Hätten Sie bitte ...“

Er passiert die Freyung, erreicht das Schottentor, schlägt einen großen Bogen um die Ehrfurcht gebietende Festung des Landesgerichts und strebt weiter, die Alser Straße stadtauswärts Richtung Gürtel.

„Bitte ... Ich brauch’s zum Telefonieren ...“

Ein junge Frau in Jeans und T-Shirt steht am Straßenrand und wartet auf das Grünlicht der Ampel.

„Entschuldige ... Hättest du ...“

Abwehrend zieht sie die Schultern hoch, wirft einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr und murmelt, halb dem Lemming zugewandt: „Zwanzig nach neun ...“

„Danke ...“

Das Charisma eines Bettlers ist sein ganzes Kapital. Sein Wesen sondert ein Aroma ab, das chemisch nicht zu messen ist, ein Potpourri aus Aura und Odeur, einen mentalen Geruch sozusagen, der nur allzu leicht die Grenze zum Gestank überschreitet. Der Lemming wird sich bald darüber klar, dass er auf diese Art nicht weiterkommt. Zu defensiv ist seine Körperhaltung, zu schüchtern sein Blick, zu ehrlich seine Worte ...

„Verzeihen Sie junger Mann, so was Blödes ... Ich hab doch glatt die Schlüssel im Auto stecken gelassen – mein Sakko, das Portemonnaie ... Könnten S’ mir aushelfen ... Wenn Sie mir ihre Adresse oder Kontonummer geben, versprech ich – spätestens morgen ...“

„Aber selbstverständlich ... Wieviel brauchen S’ denn ... Ist mir auch schon passiert ...“

Kaum eine halbe Stunde später hat der Lemming genügend Geld gesammelt, um alle schlüpfrigen Mehrwertnummern im pazifischen Raum anzurufen. Inzwischen am Gürtel angelangt, betritt er die nächste Telefonzelle.

„Institut für Gerichtsmedizin, Watzka!“, bellt ein abgehackter Männerbass ins andere Ende der Leitung.

„Guten Tag ... Ich hätte gerne ... Professor Bernatzky, bitte.“

„Moment!“

Ein Knacken im Hörer, zwei, drei Sekunden verstreichen, doch dann heben die Streicher an, die vergnügten Violinen, die fidele Viola und das heitere Cello, um dem Lemming ein Privatkonzert zu geben, ihn aufzumuntern in seinem ganz privaten Konzerthäuschen, seiner schmutzigen Telefonzelle am Währinger Gürtel. Man spielt Mozarts Quartett Nummer 17, Die Jagd genannt. Man spielt es in des Lemming linkes Ohr, während er sein rechtes, der dreispurigen Fahrbahn zugewandtes, vor dem Lärm der Motoren zu schützen versucht.

„Blaschek, Sekretariat. Was kann ich für Sie tun?“

„Ich möchte gerne ... Professor Bernatzky, bitte.“

„Momenterl, ich verbind Sie ...“

Die Streicher streichen unermüdlich in der Warteschleife. Warum gerade Mozart?, überlegt der Lemming. Vielleicht eine forensische Anspielung auf den legendenumwobenen Tod des Komponisten? Ist Mozart am Ende doch von seinem Rivalen Salieri vergiftet worden?

„Kubitschek.“

„Ja ... Bin ich da nicht bei ... Professor Bernatzky?“

„Augenblick.“

Diesmal geht es schneller. Höchstens zwei Takte, nicht einmal lange genug für eine Umdrehung Mozarts in seinem Grab.

„Institut für Gerichtsmedizin, Watzka!“

Beherrschung, Lemming, Beherrschung. Jetzt nur nicht die Fassung verlieren. Ohne Höflichkeit geht hier gar nichts, das steht fest. Wenn er auch im Blinddarm von Watzkas unergründlichen Schaltkreisen gelandet ist, bleibt Watzka immer noch Pförtner dieser elektronischen Erlebniswelt. An Watzka führt kein Weg vorbei. Mit Watzka ist nicht zu spaßen, denn: Ohne Watzka kein Bernatzky.

„Bitte, wenn Sie so freundlich wären ...“

Und wirklich: Vierzehn Schilling und ein halbes Köchelverzeichnis später ertönt endlich die vertraute Stimme aus dem Hörer:

„Bernatzky, wer stört?“

„Ich bin’s, Professor ...“

„Wie können S’ denn Ich sein, wo ich doch grad bei mir am Schreibtisch sitz?“

„Ich mein, ich ... Der Wallisch ...“

Für einen Augenblick herrscht Stille, und diese Stille schockiert den Lemming zutiefst. Es ist allgemein bekannt, dass sich Bernatzky durch nichts und niemanden aus der Fassung bringen lässt. Wenn es ihm nun die Sprache verschlägt, dann muss die Lage katastrophal sein.

„Wallisch, Wallisch ... Was hast denn diesmal wieder ang’stellt, du Dummerl ...“

„Aber ... gar nichts! Ehrlich, Professor ...“

„Aha ... Na dann ... War nett, mit dir zu plaudern ... Servus, Wallisch ...“

„So warten S’ doch ... Ich hab wirklich nichts getan ...“

Wieder Stille am anderen Ende der Leitung. Bernatzky räuspert sich.

„In Ordnung. Dann erzählst mir jetzt, was da heut früh los war am Naschmarkt, und zwar Schritt für Schritt. Verstehst, Wallisch, ganz langsam erzählst du’s, damit’s auch ein alter Dodel wie ich begreifen kann.“

Und der Lemming hebt an, zu berichten. Schon bald sprudeln ihm die Worte aus dem Mund, und er gestikuliert in seiner gläsernen Zelle wie ein flaggenschwenkender Maat auf der Kommandobrücke.

„Du hast dich ... was?“, unterbricht ihn Bernatzky.

„Gewaschen. Ich hab mir die Sauerei abgewaschen ...“

„Meiner Seel, Wallisch, du bist, mit Verlaub, ein Trottel. Tragst das Hirn am rechten Fleck und putzt es mir nix, dir nix weg ... Dann warst du also das Schweinderl in der Karlskirche ...“

Das Schweigen des Lemming ist Antwort genug.

„Also, pass auf“, fährt Bernatzky fort, „ich will jetzt einmal, nur so zum Spaß, annehmen, dass dein abstruses G’schichtl wahr sein könnt. Obwohl sich der Spaß in Grenzen hält: Ich bin nämlich Hippokratiker, ka Hypothetiker ... Aber bitte, meinetwegen. Wie weit, sagst du, war der Schütze von dir entfernt?“

„So an die zwei Meter ...“

„Zu weit. Das bringt uns nix. Wo ist die Waffe geblieben?“

„Die hab ... Die hat er mitgenommen“, lügt der Lemming. Dass die Pistole in seinem Hosenbund steckt und dass er bis auf weiteres nicht gewillt ist, sie herzugeben, würde Bernatzky gewiss nicht goutieren. Der alte Herr liebt die Sprache der Wunden, aber jene der Waffen missbilligt er.

„Mitgenommen also ...Verstehe ...“

„Und die Jacke?“, wirft der Lemming ein, um das Thema zu wechseln, „könnte die nicht beweisen ...“

„Stell dich net blöd. Die Jacken is ein Nebbich, das weißt du genau. Die kannst dir bei mir abholen, falls dir einmal kalt is. Die Flecken hinten heißen nur, dass sie, die Jacken nämlich, dem Opfer den Rücken hingedreht hat. Du könntest sie ja über’n Arm g’legt haben oder verkehr herum an’zogen, was weiß ich. Die Jacken is höchstens ein Indiz, aber noch lang ka Beweis ... Was anderes tät mich mehr interessieren: Den Buchwieser hast du also net gekannt?“

„Buchwieser?“

„Na, den toten Zyklopen, der nebenan bei mir im Kühlraum liegt ... Ferdinand Buchwieser ...“

„Ferdinand Buchwieser ... Mit einem Christian Buchwieser hab ich einmal zu tun gehabt ...„ Im Hinterkopf des Lemming flackert ein Gedanke auf und drängt unaufhaltsam ins Bewusstsein. Was hat ihm der Mann aus dem Dreher hinterhergerufen? Glaubst, ich erwisch dich nicht, so wie du meinen Bruder erwischt hast?

„Der Fall Buchwieser ... Natürlich! Vielleicht erinnern Sie sich, Professor ...“

Wie lange das doch her ist ... Die Sache mit Christian Buchwieser ist vor etwa sechs Jahren passiert, als er, der Lemming, noch mit Krotznig zusammengearbeitet hat. In mühevoller Kleinarbeit haben sie es damals geschafft, Buchwieser des Mordes an seiner Freundin zu überführen und ihn in einer Wohnung hinter dem Westbahnhof aufzustöbern. Der Fisch hatte schon fast im Netz gezappelt, um dann doch noch durch eine der Maschen zu schlüpfen. Buchwieser hat Reißaus genommen; er ist, vom Lemming verfolgt, die Stiegen hinunter bis auf die Straße gerannt und hat versucht, mit seinem Auto zu entkommen. Die Flucht wäre ihm zweifellos gelungen, wäre der Lemming nicht, ohne zu zögern, vor den fahrenden Wagen gesprungen. Er wusste, dass Buchwieser kein kaltblütiger Killer war, sondern ein schüchterner und chronisch eifersüchtiger junger Mann. Buchwieser hätte ihn niemals überrollt, dessen war sich der Lemming sicher. Den Beweis für diese These sollte er allerdings schuldig bleiben, denn am Ende kam alles ganz anders: Ein kurzer Knall, eine berstende Seitenscheibe und ...

„Aber sicher kann ich mich erinnern, Wallisch. Major Krotznigs Meisterschuss, aus dreißig Metern glatt in die Schläfe ... Ich hab die Leich gekriegt und ihr euern Fernsehauftritt ...“

Es kommt dem Lemming vor, als sei es gestern gewesen: Die grellen Scheinwerfer, die einfältigen Fragen der Journalisten und die widerlich selbstgefälligen Antworten Krotznigs, der sich nicht entblödete, vor laufenden Kameras seine Dienstwaffe zu küssen. Der Lemming hat damals stumm daneben gestanden, mitgefangen, mitgehangen, und er wäre am liebsten im Boden versunken, als ein launiger Reporter Krotznig und ihn die zwei tollkühnen Sheriffs nannte.

„Dann ist Ferdinand Buchwieser also Christians Bruder gewesen ...“

„Bravo, Wallisch! Gefinkelt wie eh und je ... Er hat den Krotznig und dich wahrscheinlich aus dem Fernsehen gekannt. Wer von euch beiden seinem kleinen Bruder den Schläfenlappen perforiert hat, dürft ihm ziemlich egal g’wesen sein. Wie er dich dann plötzlich im Kaffeehaus g’sehn hat ... Na, was erzähl ich dir ...“

„Verstehe ... Ja, so muss es gewesen sein ...“

„Was aber noch lang net heißt, dass du aus dem Schneider bist. Im Gegenteil: Wenn er ein Motiv g’habt hat, dich zu kompromittieren, dann hast du umso mehr eins g’habt, ihm das Aug auszuschießen ...“

„Ich war’s aber nicht!“

„Schon gut, reg dich net auf. Der hysterische kleine Kerl, von dem du erzählt hast, was genau hat der g’sagt?“

„Ich weiß nicht ... Es war alles ziemlich wirr. Etwas von Gottes Befehl, Gottes Gesetz. Und dass er nie wieder krank sein will ...“

„Und der Buchwieser?“

„Das war seltsam. Ich bin sicher, die zwei haben sich gekannt. Arschgeige hat der Buchwieser gesagt, und Oblatenstirn. Und dann hat er ihn gefragt, wann man ihn rausgelassen hat ...“

„Wo rausg’lassen?“

„Ich weiß nicht ...“

Eine Zeit lang ist nur Bernatzkys leiser Atem zu vernehmen. Sein Schweigen klingt jetzt anders als zuvor, klingt versunken und grüblerisch. Der Lemming kann ihn förmlich denken hören.

„Rat einmal, was der Buchwieser von Beruf war.“

„Krankenpfleger, haben sie im Radio gesagt ...“

„Richtig. Draußen in Döbling hat er gearbeitet, Unter den Ulmen, um genau zu sein. Schon gehört?“

„Nein.“

„Ein Sanatorium am Stadtrand, oben in Döbling zwischen Bellevue und Pfaffenberg. Entsprechend ruhig, entsprechend grün und mehr als gediegen. Die Ulmen sind eine – und jetzt sperr die Ohrwascheln auf – psychiatrische Klinik. Klingelt’s bei dir?“

Es klingelt heftig in den grauen Zellen des Lemming.

„Das heißt, der Winzling könnt einer von den Irren g’wesen sein ...“

„Irre sagt man net, Wallisch. Das heißt heutzutag verhaltenskreativ. Aber egal. Der Buchwieser hat sich jedenfalls vor zwei Wochen ins Privatleben z’rück’zogen. Er hat gekündigt, nach fünf Jahren Ulmen.“

„Ja und?“

„Nix und. Mehr hat mir die Leich net erzählt ...“

„Wie komm ich dort rein, Professor?“

„Wo rein?“

„In diese ... Ulmenklinik ...

„Am besten gar net, mein Lieber. Erstens sind die Ulmen nur was für sehr bemittelte Minderbemittelte. Mit Krankenschein geht da gar nix. Zweitens bist du, soweit ich’s beurteilen kann, noch net irre genug. Aber lass dich beruhigen, Wallisch, das wird schon, du bist am besten Weg dahin ...“

„Schon möglich ... Wär ja auch kein Wunder ...“

„Schau, Bub ... Ich tät dir ja raten, dich zu stellen. So gut kannst die Spuren gar net verwischt haben, dass sich net irgendwas zu deiner Entlastung find’t. Und dann, mit einem g’schickten Anwalt ... Das Problem is nur, dass da noch ein Problem is ...“

Bernatzky zögert, ehe er weiter spricht. Dieses Innehalten, dieses Luftholen, um den richtigen Tonfall zu finden, kennt der Lemming nur allzu gut. Es ist das verlegene Zaudern, das ihn selbst immer dann befallen hat, wenn er der Familie eines Mordopfers die Schreckensbotschaft überbringen musste.

„Du hast doch die Nachrichten g’hört. Was glaubst du, Wallisch, warum die Herren Redakteure deinen Namen unterschlagen haben?“

„Keine Ahnung ...“

Bernatzky seufzt.

„Weil s’ ihn gar net kennen. Und warum kennen s’ ihn net? Weil’s einem gewissen Herren ein großes Anliegen is, dich eigenhändig zu erwischen ... Kannst dir schon denken, wem. Ihr habts dem Herren zwar die Nasen brochen und die Zähndt ausg’schlagen, der Huber und du, und degradiert is er auch noch worden, der Herr, alles zu Recht, alles hochkorrekt. Aber das, mein Lieber, sind die Heldensagen der Vergangenheit. Seit ein paar Wochen is er nämlich wieder da, der Krotznig, voll da. Die Zähne und die Weste weißer denn je. Der alte, neue Herr Major kümmert sich höchstpersönlich um die Naschmarktg’schicht, er hat sich quasi selber auf den Fall ang’setzt, und er wär, glaub ich, net sehr erfreut, wenn ihm irgendwer seinen alten Spezi Wallisch vor der Nasen wegschnappen tät ...“

„Der Krotznig also ...“

„Beileid, Wallisch.“

„Ich muss in diese Klinik, Professor. Das ist meine einzige Chance, die einzige Spur zum Mörder ...“

„Vielleicht hast ja Recht ... Wart ein Momenterl ...“

Bernatzky legt den Hörer hin. Kurz darauf vernimmt der Lemming das Knarren von Schritten auf altem Parkett, entferntes Gemurmel und schließlich, nun wieder lauter, das Rascheln von Papier.

„Sodala, da haben wir’s. Pass auf ... Hast schon einmal von retrograder Amnesie g’hört? Nenn’s meinetwegen Gedächtnisverlust ... Klingt aber net so schön. Wichtig ist dabei das Worterl retrograd: Stell dir vor, du hast einen Unfall. Zum Beispiel ... Ein Blitz trifft dich, wie du grad frisch g’waschen aus der Karlskirchen kommst. Dann kannst dich bei der Retrograden an nix mehr erinnern, was vor dem Blitz war. Die Anterograde is gewissermaßen das Gegenteil, die könn’ma net brauchen, die interessiert uns net. Aber wennst Lust hast, kannst dir noch zusätzlich eine dissoziative Fugue zulegen. Dann kannst dich an den Blitz selber auch nimmer erinnern. Dann war der Schock so groß, dass du völlig aus der Haut fahrst. Du nimmst eine neue Identität an, gehst auf Reisen, irgendwohin, und benimmst dich gleichzeitig, wie wenn nix g’schehen wär. Wohlgemerkt: Das hat keine organischen Ursachen und is medizinisch trotzdem verbürgt. Das könnt funktionieren, Wallisch. Da steht’s: Größte differentialdiagnostische Schwierigkeit ist das Ausschließen einer bewussten Simulation von Konversionsstörungen infolge traumatisierender Ereignisse ... Was du also brauchst, is ein Malheur, und zwar eins, das sie dir im Sanatorium auch abkaufen. Wenn das vor ihrer Tür passiert und die das mitkriegen, müssen s’ dich einfach aufnehmen. Fragt sich nur, für wie lang ...“

„Professor ... Ich weiß gar nicht, wie ich ...“

„Keine Ursache, Wallisch. Ah ja, und fahr dir manchmal mit der Hand über’n Mund und die Stirn, wie einer, der sich was wegwischen möcht; das macht sich gut bei Gedächtnisverlust ...“

„Danke ...“

„Gib Acht auf dich ... So schön bist auch wieder net, dass ich dich als Patienten haben möcht. So, jetzt muss ich mich aber um den Buchwieser kümmern, der wird mir sonst ungeduldig ...“

Als der Lemming aus der Telefonzelle tritt und seine Schritte den Gürtel entlang in Richtung Döbling lenkt, trägt er das erste Lächeln seit Tagen auf dem Mund. Er konzentriert sich, hebt die Hand und wischt es fort.

 

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